Weinbau in der Türkei
Der Weinbau in der Türkei blickt auf eine lange Geschichte zurück.
Archäologische Funde belegen, dass bereits im fünften Jahrtausend vor Christi Geburt im Gebiet der heutigen Türkei Weinbau betrieben wurde. In der Antike galt Wein aus Anatolien als hochwertig und wurde zu dementsprechenden Preisen gehandelt. Der Weinbau florierte. Erst als die Griechen begannen, Weingärten in Gallien anzulegen und schließlich die Byzantiner durch türkische Invasoren verdrängt wurden, ging es mit dem Weinbau in der Türkei abwärts. Von der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 an kam die Weinbautradition nahezu vollständig zum Erliegen. Rebflächen, die noch existierten, wurden zwar weiterhin bewirtschaftet, doch der überwiegende Teil der Trauben wurde zu Rosinen verarbeitet, nur die nichtmuslimischen Minderheiten im Land durften Wein konsumieren.
Erst unter Atatürk erlebte der Weinbau in der Türkei wieder einen Aufschwung. Die Gründung von Weingütern wurde gefördert und die Weinszene blühte insgesamt auf. Nach einigen Rückschlägen, verursacht vor allem durch Reblaus, geht es mit dem Weinbau seit 1980 wieder voran. Die Qualität und Menge türkischer Weine nimmt seitdem stetig zu. Zwar wird immer noch ein Großteil der Rebfläche dazu verwendet Rosinen und Tafeltrauben zu erzeugen, aber nach und nach setzt sich bei vielen Bauern die Erkenntnis durch, dass sich mit gut gemachtem Wein mehr verdien lässt als mit dem Obstanbau. An dieser Stelle tritt ganz deutlich der Konflikt zwischen Abendland und Morgenland zutage, denn in einigen Gebieten der Türkei leben, muslimische Bauern, die den Alkoholkonsum wegen ihrer Religion ablehnen, aber dennoch in der Weinerzeugung tätig sind.
Weinbau wird nahezu im gesamten Land betrieben. Wichtige Anbaugebiete liegen an der Ägäisküste, aber auch Thrakien und Marmaris zählen zu den bedeutenden Anbauregionen. Neben einigen internationalen Rebsorten werden vor allem lokale Reben wie Masandede, Emir, Cubuk und Lalecik kultiviert.
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Wein in der Türkei ist mit weniger als einem Liter im Jahr recht gering. Raki und Bier nehmen eine wesentlich mächtigere Position auf dem Markt ein. Dennoch ist zu erkennen, dass die Produktion steigt und auch die Qualität der Weine zunimmt. Die Entwicklungen, die das Weinbauland Türkei in Zukunft nimmt, sind mit Spannung zu erwarten. Das Potenzial für guten Wein, der sich auch auf dem europäischen Markt behaupten kann, ist vorhanden, ob Politik, Religion und Tradition diesem Trend eine Chance geben bleibt abzuwarten.