Religion in der Türkei - Der Islam bestimmt den Alltag

Genau wie in den christlichen Ländern, hat auch in der Türkei die Hauptreligion, der Islam, großen Einfluss auf den Alltag. Dies wird zum einen durch die Feiertage und den Fastenmonat Ramadan deutlich, aber auch durch die Speisen, das Stadtbild und den Tagesablauf. Wo sich in Deutschland Dombauten, Kirchen und Kapellen in die Höhe strecken, stehen in der Türkei schlichte oder prachtvolle Moscheen. Statt des Kirchengeläuts hört man den Muezzin zum Gebet rufen. Gläubige Muslime beten drei bis fünfmal am Tag in Richtung Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed. Hierfür wird ein Gebetsteppich ausgerollt. Jeder Moslem sollte einmal im Leben nach Mekka reisen, es sei denn er ist krank oder kann es sich aus finanziellen Gründen nicht leisten. Diese Tradition ist vergleichbar mit den christlichen Pilgerfahrten. Da der Islam den Verzehr von Schweinefleisch verbietet, finden sich in den Restaurants und den privaten Küchen garantiert kein Schweineschnitzel. Stattdessen können Sie in der Türkei die vielfältigen Lamm- oder Rindfleischgerichte kosten.
 
Einer der höchsten islamischen Feiertage ist das Zuckerfest, das am Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert wird. Drei Tage lang wird ausgelassen gefeiert. Die Kinder werden reich mit Süßigkeiten beschenkt und es werden ausgiebige Mahlzeiten zubereitet, die mit der Familie und mit Freunden und Nachbarn verzehrt werden. Der Ramadan ist eine heilige Zeitspanne von 30 Tagen, in denen erwachsene Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht essen und nicht trinken. Erst am Abend kommt die Familie zusammen, isst Datteln und trinkt Wasser, um danach gemeinsam eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen. Der Fastenmonat dient dazu, sich auf den Glauben zu konzentrieren. Touristen sollten – zumindest in ländlichen Regionen - mit Rücksicht auf die Einheimischen im Fastenmonat nicht tagsüber öffentlich essen, trinken oder rauchen. Das gilt als sehr unhöflich und respektlos. Auch das Kaugummi sollte in der Tasche bleiben. In den großen Städten und in den Touristengebieten werden Sie den Ramadan kaum spüren. Allerdings werden viele Kellner tagsüber Ihre Einladung zum gemeinsamen Teetrinken oder Essen höflich ausschlagen.
 
Weitere religiöse Feste sind das Opferfest im Februar und das Beschneidungsfest der Jungen, bei dem die Vorhaut des Glieds in einer Zeremonie entfernt wird. An diesem Tag sind die Jungs die absoluten Stars des Abends und werden von der ganzen Familie und der Öffentlichkeit gefeiert. Was deutschen Touristen oftmals grausam erscheint, ist für die Kinder in der Türkei eine große Ehre. Sie werden unter Musikbegleitung im Festtagsanzug durch die Straßen gefahren, bejubelt und beklatscht. Sie erhalten Goldmünzen und Geschenke und werden umsorgt und verwöhnt. Durch das Beschneidungsfest werden sie in die Welt der Männer aufgenommen. Die Durchführung der Beschneidung, die ganz nebenbei auch unter hygienischen Gesichtspunkten von Vorteil ist, unterscheidet sich in der modernen Türkei maßgeblich von den Beschneidungen früherer Zeiten. Oftmals wird die Vorhaut unter Narkose im Krankenhaus oder von einem Arzt in den heimischen vier Wänden entfernt. Viele Jungs werden schon direkt nach der Geburt im Krankenhaus beschnitten. Was bleibt, ist das ausgelassene Fest. 
 
Die Türkei ist ein laizistischer Staat. Das bedeutet im weitesten Sinne, dass der Staat Einfluss auf die Religion hat, die Türkische Religion aber keinen Einfluss auf den Staat. Neben dem Islam gibt es in der Türkei auch kleinere christliche und jüdische Glaubensgemeinschaften.

Die Türkei erstreckt sich über die Kontinente Europa und Asien und verbindet diese beiden Welten miteinander, wie es kein anderes Land fertigbringt.